Interview zur Hyperthermie aus Bad Bergzabern mit Frau Dr. Rita Koomagi

Fieber als Therapieunterstützung

Wer fiebert, bekommt keinen Krebs“. Kennen Sie diesen Satz auch noch von Ihrer Großmutter? Schon vor der Entwicklung moderner Hyperthermie Geräte galt Fieber als „Reinigungsmechanismus“ des Körpers. Heute gibt es viele verschiedene Formen der Fiebertherapie. Hyperthermie kann lokal, regional oder systemisch für den ganzen Körper eingesetzt werden. Es wird unterschieden zwischen milder Ganzkörperhyperthermie für Körpertemperaturen < 38,5 °C, moderater Ganzkörperhyperthermie für Temperaturen von 38,5 °C bis 40 °C und extremer Ganzkörperhyperthermie für den Bereich > 40 °C. Die Arbeitsgemeinschaft gynäkologischer Onkologen (AGO) hat die Hyperthermie in Verbindung mit einer Strahlentherapie zur Behandlung bestimmter Krankheitssituationen in ihre Empfehlungen aufgenommen.

Mamma Mia!: Frau Dr. Koomagi, zunächst ganz generell gefragt: Was unterscheidet eine Ganzkörper- von einer lokalen Hyperthermie und was kommt wann zum Einsatz?

Dr. Rita Koomagi: Die Ganzkörperhyperthermie, sogenannte Fiebertherapie, ist eine systemische Behandlung der Tumorerkrankungen mit dem Ziel, ein kuratives Potenzial zu erreichen.
Die lokoregionale RF-Tiefenhyperthermie mit kapazitiv gekoppelten Elektroden (13,56 MHz) ist ein integrativ-onkologisches Therapieverfahren, auch zur Behandlung von Tumoren wie Brustkarzinomen. Im Rahmen der lokalen Hyperthermie ist es das Ziel, eine homogene Tumor- oder Metastasen Überwärmung mit einer Temperatur von 41 °C bis 43 °C zu erreichen, die in Kombination mit einer Chemo- und Strahlentherapie sowie modernen Therapiemaßnahmen wie zielgerichteten Therapien, Proteinkinaseinhibitoren, monoklonalen Antikörpern, Check- Point-Inhibitoren oder einer endokrinen Therapie eingesetzt wird. Eine weitere Therapieoption ist die lokale Hyperthermie, auch ohne Chemo- oder Radiotherapien, jedoch in Kombination mit einer Misteltherapie. Zu den lokoregionalen Hyperthermie Formen gehört auch die Oberflächenhyperthermie, das heißt die Erwärmung von Haut und/oder oberflächennahen Tumoren und Lymphknoten in Kombination mit konventionellen Therapiemaßnahmen.

Mamma Mia!: Sie behandeln in Ihrer Klinik zahlreiche Brustkrebspatientinnen, unter anderem setzen Sie die Hyperthermie ein. Könnten Sie uns kurz erklären, welche Patientinnen am meisten von einer Hyperthermie profitieren?

Dr. Rita Koomagi: Bei Brustkrebspatientinnen setzen wir vor allem die oben erwähnten Hyperthermie Maßnahmen ein. Brustkrebspatientinnen profitieren sowohl von lokaler Hyperthermie in Kombination mit den oben genannten Therapiemaßnahmen als auch während der adjuvanten Therapiephase, zum Beispiel in Kombination mit Chemotherapie oder auch Antikörpertherapien zur Potenzierung des Therapieeffekts. Wie oben erwähnt, wird die Ganzkörperhyperthermie als eine Erhaltungstherapie nach adjuvanter Therapie durchgeführt. Die lokalen Hyperthermien sind einsetzbar nach brusterhaltender Operation oder Ablatio und nach adjuvanter Radiotherapie sowie auch in palliativen Situationen, beispielsweise nach Bestrahlung der Knochenmetastasen, Hirnmetastasen und der Thoraxwand in Kombination mit weiteren komplementären Therapiemaßnahmen.

Mamma Mia!: Wie sieht eine klassische Hyperthermie Sitzung aus und wie häufig wird sie wiederholt? Wie lange sind die Abstände zwischen den einzelnen Hyperthermie-Zyklen?

Dr. Rita Koomagi: Die lokoregionale RF-Tiefenhyperthermie mit kapazitiv gekoppelten Elektroden (13,56 MHz) wird jeden zweiten Tag durchgeführt in unmittelbarem zeitlichem Zusammenhang zur Strahlen- und/oder Chemotherapie. Die Behandlungszeit pro Applikation beträgt circa eine Stunde. Das Intervall zwischen den Hyperthermie Zyklen wird vom Arzt entschieden und ist abhängig von den weiteren Therapiemaßnahmen oder vom Ziel der Behandlung. In Kombination mit Chemotherapie werden die Zyklen in kürzeren Abständen durchgeführt.

Mamma Mia!: Gibt es auch Patientinnen, denen Sie keine Hyperthermie empfehlen würden?

Dr. Rita Koomagi: Kontraindikationen sind vorbestehende Komorbiditäten wie schwere Erkrankungen des Herz-/Kreislaufsystems, der Lunge, schwere Niereninsuffizienz, Karnofsky- Index < 60 % (= Index zur Leistungsfähigkeit), Kachexie (starkes Untergewicht), akute Infektionen, schwere Knochenmarksschädigungen, akute Einflussstauungen, akute Thrombosen, Lungenembolien, schwere Lymphödeme, Blutungen, bei lokaler Hyperthermie zusätzlich auch Herzschrittmacher, Metallimplantate, Defibrillatoren. Im Falle eines Brustimplantats oder einer Expanderrekonstruktion ist die Durchführung einer direkten Hyperthermie nicht erlaubt, sondern nur in Bauchlage. Bei Patienten mit Platzangst sollten/dürfen keine Ganzkörperhyperthermien/ lokalen Hyperthermien durchgeführt werden. Hirnmetastasen und schwere periphere Polyneuropathien sind Kontraindikation für Ganzkörperhyperthermie, aber nicht für lokoregionale RF-Tiefenhyperthermie mit kapazitiv gekoppelten Elektroden (13,56 MHz).

Mamma Mia!: Hat die Hyperthermie auch Nebenwirkungen?

Dr. Rita Koomagi: Im Allgemeinen ist die Hyperthermie eine sehr verträgliche Therapie ohne schwerwiegende Nebenwirkungen. Bei der lokalen Hyperthermie können örtliche Überwärmungen mit Rötungen bis hin zu Hautverbrennungen mit Schmerzen auftreten, die direkt während der Behandlung entstehen können. Bei Behandlung von Hirnmetastasen könnte ein Hirnödem entstehen, prophylaktisch wird eine Osmotherapie durchgeführt. Eine Auswirkung auf das Blutbild ist abhängig vom Zeitpunkt der Durchführung, zum Beispiel unmittelbar nach Strahlentherapie oder Chemotherapie. Selten könnte es durch sterbende Tumorzellen im Blut zum Tumormarkeranstieg kommen.

Mamma Mia!: Was müssen Patienten nach einer Hyperthermie beachten?

Dr. Rita Koomagi: Sich ausruhen, nicht zu große Portionen Nahrung zu sich nehmen. Nach örtlicher Überwärmung mit Hautrötung muss sofort das Pflegepersonal informiert werden sowie auch bei Lymphödemen mit Schwellungen und bei Kreislaufbeschwerden. Kleinere Verbrennungen müssen behandelt werden.

Mamma Mia!: Wie sieht es mit der Kostenerstattung dieses Verfahrens aus? Übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten?

Dr. Rita Koomagi: Die BioMed-Klinik Bad Bergzabern ist ein Versorgungskrankenhaus der gesetzlichen Krankenkassen nach § 109 Abs. 1 SGB-V i. V. m. § 108 Nr. 3 SGB-V. Die Kosten für eine stationäre Behandlung werden damit von den gesetzlichen Krankenkassen, den Beihilfestellen und den Privatkrankenkassen übernommen. Ein Antrag bei der privaten Krankenversicherung auf Kostenübernahme vor Antritt der Behandlung wird empfohlen.

Das Interview wurde durchgeführt von Eva Schumacher-Wulf, Chefredakteurin ders Brustkrebs Magazin MammaMia!
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Dr. Rita Koomagi

Die BioMed-Klinik Bad Bergzabern ist ein onkologisches Akutkrankenhaus und Versorgungskrankenhaus der gesetzlichen Krankenkassen nach § 109 Abs. 1 SGB-V i.V.m. § 108 Nr. 3 SGB-V.
Frau Dr. Rita Koomagi ist seit vielen Jahren dort tätig und aktuell als kommisarische Chefärztin tätig.

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